Private Placement Lebensversicherung im deutschen Steuerrecht: § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG und die 12/62-Regel
Kaum eine Vorschrift des deutschen Steuerrechts trägt so viel Vermögen auf so wenigen Zeilen wie § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG. Sie regelt, wie Erträge aus Lebensversicherungen besteuert werden – und damit zugleich, unter welchen Bedingungen die Private Placement Lebensversicherung (Private Placement Life Insurance, kurz PPLI) für in Deutschland ansässige Familien funktioniert. Wer die Systematik dieser Norm versteht, versteht den steuerlichen Kern des Versicherungsmantels: die unbegrenzte Stundung während der Laufzeit, die hälftige Besteuerung bei disziplinierter Haltedauer nach der sogenannten 12/62-Regel und die vollständige Einkommensteuerfreiheit der Todesfallleistung. Wer sie nicht versteht, riskiert das Gegenteil – die transparente Besteuerung eines vermögensverwaltenden Versicherungsvertrags, bei der der Mantel steuerlich schlicht ignoriert wird. Wir gehen in diesem Beitrag beide Seiten durch, mit Zahlen, Paragrafen und der gebotenen Nüchternheit.
Vorab eine Einordnung: PPLI ist kein Steuersparmodell im Sinne der einschlägigen Kataloge, sondern eine fondsgebundene Lebensversicherung, die sich vollständig innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegt. Der deutsche Gesetzgeber hat die Besteuerung von Versicherungserträgen 2005 grundlegend neu geordnet und 2009 nachgeschärft; seitdem ist präzise kodifiziert, was der Mantel leisten darf und was nicht. Genau diese Kodifizierung ist aus Sicht vermögender Familien seine Stärke: Die Regeln sind bekannt, die Rechtsfolgen kalkulierbar, die Gestaltungsgrenzen klar gezogen. Einen allgemeinen Überblick über das Instrument gibt unsere Hauptseite zum Instrument und seinem Versicherungsmantel; hier konzentrieren wir uns auf das deutsche Steuerrecht.
Die Systematik des § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG: Besteuerung des Unterschiedsbetrags
Für Lebensversicherungsverträge, die seit dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, gilt ein einheitliches Prinzip: Besteuert wird nicht der laufende Ertrag im Vertrag, sondern der Unterschiedsbetrag zwischen der Versicherungsleistung und der Summe der entrichteten Beiträge – und zwar erst dann, wenn die Leistung tatsächlich zufließt, also bei Rückkauf oder bei Ablauf des Vertrags im Erlebensfall. Solange der Vertrag läuft, lösen Umschichtungen, Dividenden, Zinskupons und realisierte Kursgewinne im Deckungsstock beim Versicherungsnehmer keine Steuer aus. Das ist keine Vergünstigung, die der Verwaltung abgerungen werden müsste, sondern die unmittelbare Folge der gesetzlichen Systematik: Einkünfte entstehen erst mit dem Zufluss der Versicherungsleistung.
Der Unterschiedsbetrag als Bemessungsgrundlage
Die Bemessungsgrundlage ist denkbar schlicht: Auszahlung minus eingezahlte Beiträge. In dieser Schlichtheit liegt eine bemerkenswerte Eigenschaft. Innerhalb des Vertrags kann das Portfolio über Jahrzehnte umgeschichtet werden – von Aktien in Anleihen, von einem Fonds in einen anderen, von einem Vermögensverwalter zum nächsten –, ohne dass ein einziger dieser Vorgänge steuerlich realisiert würde. Beim Direktbestand im Bankdepot löst jede dieser Transaktionen Abgeltungsteuer auf die aufgelaufenen Gewinne aus; im Versicherungsmantel zählt allein die Differenz am Ende. Die ökonomische Wirkung dieses Aufschubs haben wir im Beitrag über die Steuerstundung im Versicherungsmantel grundsätzlich beschrieben; sie wächst mit der Laufzeit, mit der Umschlagshäufigkeit des Portfolios und mit der Höhe der laufenden Erträge.
Abgeltungsteuer als Regelfall
Wird der Vertrag zurückgekauft, ohne dass die Voraussetzungen der Begünstigung vorliegen, unterliegt der volle Unterschiedsbetrag als Kapitalertrag der Abgeltungsteuer: 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 Prozent, gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer. Bei einem Vertrag mit einem ausländischen Versicherer – und das ist bei PPLI der Regelfall, weil die führenden Anbieter in Liechtenstein, Luxemburg und Irland ansässig sind – behält niemand Kapitalertragsteuer ein; der Versicherungsnehmer erklärt die Erträge nach § 32d Abs. 3 EStG in seiner Einkommensteuererklärung. Das ist kein Nachteil, aber eine Pflicht, die diszipliniert erfüllt werden will.
Die 12/62-Regel: hälftige Besteuerung als gesetzlicher Geduldsbonus
Der Gesetzgeber belohnt langfristiges Halten. Nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG ist nur die Hälfte des Unterschiedsbetrags anzusetzen, wenn die Versicherungsleistung nach Vollendung des 62. Lebensjahres des Steuerpflichtigen und nach Ablauf von zwölf Jahren seit Vertragsabschluss ausgezahlt wird – die in der Beratungspraxis sogenannte 12/62-Regel, gelegentlich auch als Halbeinkünfteverfahren der Lebensversicherung bezeichnet, auch wenn der Begriff technisch aus einem anderen Kontext stammt. Die hälftige Besteuerung erfolgt dann nicht mit dem Abgeltungsteuersatz, sondern mit dem persönlichen, tariflichen Steuersatz. Bei einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag ergibt sich eine effektive Belastung von gut 22 Prozent des Unterschiedsbetrags; selbst beim Reichensteuersatz von 45 Prozent bleibt die effektive Quote unter 24 Prozent – und damit unter der Abgeltungsteuer, die den Direktanleger Jahr für Jahr trifft.
Voraussetzungen im Einzelnen
Beide Bedingungen müssen kumulativ erfüllt sein: mindestens zwölf Jahre Vertragslaufzeit und Auszahlung nach dem 62. Geburtstag. Teilauszahlungen sind möglich und werden anteilig behandelt; wer mit 55 Jahren einen Vertrag zeichnet, kann die begünstigte Auszahlung also frühestens mit 67 in Anspruch nehmen. Für die Generationenplanung interessanter ist der umgekehrte Blick: Ein mit 45 Jahren gezeichneter Vertrag erreicht die Zwölfjahresgrenze mit 57 und die Altersgrenze mit 62 – von da an steht die hälftige Besteuerung für jede Auszahlung offen, während der Vertrag unbegrenzt weiterlaufen und weiter steuerfrei thesaurieren darf. Es gibt keine Pflicht zur Auszahlung, keine Höchstlaufzeit und keine dem amerikanischen Recht vergleichbare Mindestentnahme.
Mindesttodesfallschutz für Verträge seit April 2009
Für Verträge, die nach dem 31. März 2009 abgeschlossen wurden, knüpft § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 6 EStG die Begünstigung an einen Mindesttodesfallschutz: Die Leistung im Todesfall muss die gesetzlich definierten Mindestanforderungen erfüllen – im Grundsatz eine Todesfallleistung von mindestens 50 Prozent der Beitragssumme oder ein laufender Todesfallschutz, der das Deckungskapital um mindestens zehn Prozent übersteigt. Seriös strukturierte PPLI-Verträge für deutsche Versicherungsnehmer werden von vornherein so gezeichnet, dass diese Anforderungen erfüllt sind; die Kosten des zusätzlichen Risikoschutzes sind der Preis der Begünstigung und gehören in jede Modellrechnung. Ein Vertrag, der den Mindesttodesfallschutz verfehlt, verliert nicht seine Anerkennung als Versicherung, wohl aber den Anspruch auf die hälftige Besteuerung.
Der vermögensverwaltende Versicherungsvertrag: die Grenze des Satzes 5
Die Zurechnungsregel in § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG Satz 5 setzt mehrere Merkmale voraus: Für den Vertrag wird ein eigens zusammengestellter Kapitalanlagebestand gesondert verwaltet; die Anlagen sind nicht auf öffentlich vertriebene Investmentfondsanteile oder Anlagen beschränkt, die einen veröffentlichten Index abbilden; und der wirtschaftlich Berechtigte kann unmittelbar oder mittelbar über Veräußerung und Wiederanlage bestimmen. Dann werden ihm die Erträge des Versicherers laufend zugerechnet. Eine bloß gestreute, professionell verwaltete Strategie ersetzt die gesetzliche Indexvoraussetzung nicht.
In der Praxis heißt das: Der Versicherungsnehmer darf die Anlagerichtlinien festlegen, den Vermögensverwalter auswählen und die strategische Ausrichtung des Portfolios bestimmen. Er darf aber nicht selbst handeln – keine Einzeltitelorders, keine faktische Weisung an die Depotbank, keine Konstruktion, bei der der Verwalter nur formal zwischengeschaltet ist. Die Parallele zur amerikanischen Investor-Control-Doktrin ist offensichtlich, und wer die dortige Rechtsprechung kennt, erkennt das Muster wieder; wir haben es im Beitrag über die Doktrin der Anlegerkontrolle ausführlich behandelt. Für deutsche Versicherungsnehmer ist Satz 5 keine theoretische Fußnote, sondern die zentrale Compliance-Bedingung des gesamten Modells: Eine einzige dokumentierte Durchgriffshandlung kann die Stundungswirkung des Vertrags rückwirkend gefährden. Die Governance des Mantels – unabhängiger Verwalter, klare Richtlinien, sauberes Protokoll – ist deshalb keine Formalie, sondern Substanz.
Wo die Private Placement Lebensversicherung in dieses Gefüge passt
Vor diesem gesetzlichen Hintergrund lässt sich präzise sagen, was PPLI im deutschen Steuerrecht ist: eine fondsgebundene Lebensversicherung, die die Voraussetzungen des § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG bewusst und dokumentiert erfüllt – mit einem individuell verwalteten, aber fremdverwalteten Deckungsstock, einem echten Mindesttodesfallschutz und einer Laufzeitplanung, die auf die 12/62-Begünstigung zuläuft. Die Funktionsweise des Mantels im Detail beschreibt unser technischer Leitfaden; steuerlich verhält sich eine korrekt strukturierte PPLI-Police nicht anders als eine gewöhnliche fondsgebundene Police – nur dass ihr Deckungsstock institutionelle Anlageklassen, individuelle Mandate und erheblich niedrigere Produktkosten erlaubt.
The PPLI Playbook — 46 Seiten zu Mechanik, Regeln, Jurisdiktionen, Kosten und Umsetzung. Kostenfrei für qualifizierte Familien und ihre Berater; jedes Exemplar wird persönlich versandt.
Exemplar anfordern →Dienstleistungsfreiheit und ausländische Versicherer
Dass die Anbieter überwiegend in Liechtenstein und Luxemburg sitzen, ist steuerlich unerheblich und aufsichtsrechtlich gewollt: Im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit des EWR dürfen dort zugelassene Lebensversicherer deutsche Kunden direkt bedienen; die Aufsicht führt die Heimatbehörde, in Liechtenstein die FMA, in Luxemburg das Commissariat aux Assurances. Die Beiträge zu Lebensversicherungen sind nach dem Versicherungsteuergesetz von der Versicherungsteuer befreit, sodass auch die Einzahlung in den Vertrag keine Verkehrsteuer auslöst. Und selbstverständlich melden die Versicherer Vertragsdaten unter dem Common Reporting Standard an die deutsche Finanzverwaltung – der Mantel ist ein Instrument der Ordnung, nicht der Verschleierung. Warum Familien dennoch gezielt zwischen den Standorten wählen, zeigt unsere Gegenüberstellung von Liechtenstein und Luxemburg.
Für Leser in Österreich und der Schweiz sei der Rahmen zumindest skizziert, denn er unterscheidet sich in beiden Richtungen. Österreich besteuert Prämien zu Lebensversicherungen grundsätzlich mit einer Versicherungssteuer von vier Prozent, stellt aber die Erträge ordnungsgemäß strukturierter Policen bei langer Laufzeit weitgehend frei; die Schweiz erhebt auf Einmalprämien eine Stempelabgabe von 2,5 Prozent und behandelt die Erlebensleistung rückkaufsfähiger Kapitalversicherungen unter Voraussetzungen einkommensteuerfrei. Ein und dieselbe Police kann also je nach Wohnsitz drei verschiedene steuerliche Leben führen – ein Umstand, der bei grenzüberschreitenden Familien von Anfang an in die Vertragsarchitektur gehört und den wir hier bewusst nur andeuten.
Todesfallleistung und Erbschaftsteuer
Die zweite große Linie der Norm betrifft den Todesfall. Stirbt die versicherte Person, ist die Todesfallleistung beim Bezugsberechtigten einkommensteuerfrei – § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG erfasst nur Erlebens- und Rückkaufsfälle. Sämtliche über die Laufzeit aufgelaufenen stillen Reserven des Deckungsstocks gehen damit ohne Einkommensteuer auf die nächste Generation über; was beim Direktdepot als latente Steuerlast vererbt wird, erlischt im Mantel. Der Erbschaft- und Schenkungsteuer unterliegt die Leistung dagegen sehr wohl: Sie gehört beim Bezugsberechtigten zum steuerpflichtigen Erwerb nach dem ErbStG, mit den bekannten Freibeträgen und Steuersätzen der jeweiligen Steuerklasse. Wie sich die Police in eine umfassende Nachfolgeplanung einfügt – Stichwort Begünstigtenklausel, Teilpolicen, Generationenverträge –, behandelt unsere Übersicht zur Nachlassplanung mit dem Versicherungsmantel; die laufende politische Diskussion um die Erbschaftsteuer verfolgen wir im Beitrag zur Erbschaftsteuer-Debatte 2026.
Der Vergleichsmaßstab: Direktanlage unter dem Investmentsteuergesetz
Für einen belastbaren Vergleich sind beide Steuerregime zu modellieren. Beim Direktbestand können Ausschüttungen, Veräußerungsgewinne und die Vorabpauschale relevant sein; die Teilfreistellung hängt unter anderem vom Fondstyp ab. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen enthält § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG Satz 9 eine eigene Regel: 15 Prozent des Unterschiedsbetrags bleiben steuerfrei, soweit dieser aus Investmenterträgen stammt. Das ist weder dieselbe Freistellung wie beim direkt gehaltenen Aktienfonds noch eine pauschale Befreiung von 15 Prozent jeder PPLI-Leistung. Die tatsächliche Zusammensetzung der Erträge und die zeitlichen Anwendungsvorschriften gehören in die Rechnung.
Altverträge und Stichtage: warum das Zeichnungsdatum Rechtslage ist
Für die Besteuerung zählen Abschlussdatum, Vertragsart und spätere Änderungen. Altverträge können unter den jeweils geltenden Voraussetzungen anders behandelt werden als Neuabschlüsse; für Verträge nach dem 31. Dezember 2011 ist bei der Altersvoraussetzung grundsätzlich 62 statt 60 maßgeblich. Frühere Übergangsregeln sichern jedoch keinen Bestandsschutz gegen künftige Gesetze. Ein Abschluss sollte sich nach Eignung, Liquidität und belastbaren Vertragsbedingungen richten, nicht nach einer zugesagten Immunität gegenüber Reformen.
Illustratives Beispiel: 5 Millionen Euro über 25 Jahre
Die folgende vereinfachte Rechnung isoliert den Einfluss jährlicher Besteuerung und laufender Kosten. Anfangskapital: 5 Millionen Euro; Laufzeit: 25 Jahre; konstante Bruttorendite: 5 Prozent; sämtliche Direktanlageerträge werden jährlich mit 26,375 Prozent besteuert. Für die Police werden 0,6 Prozentpunkte jährliche Kosten und bei Auszahlung ein persönlicher Steuersatz von 42 Prozent zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf unterstellt. Teilfreistellungen, Kirchensteuer und weitere Kosten sind hier bewusst nicht eingerechnet. Bei einem konkreten fondsgebundenen Vertrag ist insbesondere die Regel des Satzes 9 zusätzlich zu berücksichtigen.
Das Direktdepot erreicht unter diesen Annahmen nach 25 Jahren rund 12,34 Millionen Euro. Der Policenwert vor Auszahlung beträgt bei 4,4 Prozent jährlicher Nettorendite rund 14,67 Millionen Euro. Sind die Voraussetzungen der hälftigen Besteuerung erfüllt, ergibt sich auf den Gewinn von rund 9,67 Millionen Euro eine Modellsteuer von etwa 2,14 Millionen Euro; netto verbleiben rund 12,53 Millionen Euro. Der Unterschied beträgt damit rund 0,19 Millionen Euro. Er ist ein Ergebnis dieser Annahmen, keine allgemeine Vorteilhaftigkeitsaussage.
Der geringe Abstand reagiert empfindlich auf Kosten, Steuersatz und Ertragsart. Bei 15 Jahren liegt die Police in diesem Modell hinter dem Direktdepot. Wird der volle Gewinn stattdessen mit 26,375 Prozent Abgeltungsteuer einschließlich Solidaritätszuschlag belastet, verbleiben nach 25 Jahren ohne weitere Freistellungen etwa 12,12 Millionen Euro. Eine reale Vergleichsrechnung muss außerdem die Investmentertragsfreistellung der Police, mögliche Teilfreistellungen im Direktdepot, die zeitliche Realisation von Gewinnen und sämtliche Kosten berücksichtigen. Auch ein langer Horizont garantiert keinen Vorteil.
Grenzen und Risiken: was die Norm nicht hergibt
Zur redlichen Darstellung gehört der Blick auf die Grenzen. Die transparente Besteuerung nach Satz 5 haben wir beschrieben; sie ist das operative Hauptrisiko und wird durch Governance beherrscht, nicht durch Hoffnung. Daneben stehen vier weitere Punkte.
Erstens die Anerkennung als Versicherung überhaupt: Der Vertrag muss ein echtes biometrisches Risiko auf den Versicherer übertragen. Konstruktionen mit symbolischem Todesfallschutz bewegen sich außerhalb des sicheren Bereichs; die Finanzverwaltung hat ihre Anforderungen in Verwaltungsanweisungen zu § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG präzisiert, und ein sorgfältiger Anbieter dokumentiert deren Einhaltung von der Zeichnung an.
Zweitens die Erbschaftsteuer: Die Einkommensteuerfreiheit der Todesfallleistung wird gelegentlich zur Steuerfreiheit schlechthin verklärt. Das ist falsch. Die Leistung fällt in den erbschaftsteuerpflichtigen Erwerb; wer die Police in die Nachfolgeplanung einbettet, plant Freibeträge, Bezugsrechte und gegebenenfalls die Aufteilung auf mehrere Policen bewusst – oder verschenkt Substanz.
Drittens die Mobilität: Ansprüche aus Lebensversicherungen gehören nicht zu den Vermögenswerten, die § 6 AStG bei einem Wegzug aus Deutschland der Wegzugsbesteuerung unterwirft – diese erfasst Kapitalgesellschaftsbeteiligungen und seit 2025 unter Voraussetzungen auch erhebliche Investmentfondsbestände. Gerade deshalb verdient die Standortfrage bei mobilen Familien frühzeitige Aufmerksamkeit: Der Vertrag wandert steuerlich mit dem Wohnsitz, und jedes Zuzugsland behandelt ihn nach eigenem Recht. Die Einzelheiten haben wir im Beitrag zur Wegzugsbesteuerung auf Fondsanteile dargestellt.
Viertens bleibt das Gesetzgebungsrisiko. Die heutige 12/62-Regel kann sich ebenso ändern wie die Behandlung bereits bestehender Verträge. Ob es eine Übergangsregel gibt und wen sie schützt, entscheidet der konkrete künftige Gesetzestext. Frühere Stichtagsregelungen sind dafür keine Zusage. Prüfen Sie deshalb auch, welche Anpassungs- und Ausstiegsmöglichkeiten der angebotene Vertrag tatsächlich zulässt.
Ein letzter, oft übersehener Punkt betrifft die laufenden Pflichten. Auch ein steuerlich ruhender Vertrag ist kein deklarationsfreier Raum: Der Abschluss einer Police bei einem ausländischen Versicherer kann Anzeigepflichten gegenüber der Finanzverwaltung auslösen, Auszahlungen sind in der Anlage KAP zu erklären, und die CRS-Meldung des Versicherers wird mit den erklärten Werten abgeglichen. Familien, die den Mantel professionell führen, behandeln ihn wie jede andere institutionelle Struktur – mit Jahresreporting, steuerlicher Begleitung und einem Berater, der die Stichtage kennt. Der Aufwand ist überschaubar; sein Fehlen ist es im Prüfungsfall nicht.
Häufige Fragen zur Besteuerung der Private Placement Lebensversicherung
Gilt die 12/62-Regel auch für Policen liechtensteinischer oder luxemburgischer Versicherer?
Ja. Maßgeblich ist das Steuerrecht des Wohnsitzstaates des Versicherungsnehmers, nicht der Sitz des Versicherers. Eine liechtensteinische oder luxemburgische Police, die die Anforderungen des § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG erfüllt – insbesondere Mindesttodesfallschutz und fremdverwalteter Deckungsstock –, wird bei einem in Deutschland ansässigen Versicherungsnehmer genauso behandelt wie der Vertrag eines deutschen Anbieters. Der Unterschied liegt in der Anlagefreiheit, den Kosten und dem aufsichtsrechtlichen Rahmen, nicht in der Einkommensbesteuerung.
Was passiert bei einer Teilauszahlung vor dem 62. Lebensjahr?
Der auf die Teilauszahlung entfallende Unterschiedsbetrag unterliegt dann in voller Höhe der Abgeltungsteuer. Die Begünstigung ist kein Alles-oder-nichts-Prinzip über die Vertragsdauer: Spätere Auszahlungen, die nach Vollendung des 62. Lebensjahres und nach Ablauf der Zwölfjahresfrist erfolgen, können die hälftige Besteuerung wieder in Anspruch nehmen. Eine kluge Entnahmeplanung staffelt Auszahlungen deshalb entlang dieser Grenzen.
Wann wird eine PPLI-Police als vermögensverwaltender Versicherungsvertrag transparent besteuert?
Satz 5 erfasst einen gesondert verwalteten, speziell für den Vertrag zusammengestellten Anlagebestand, der nicht auf öffentlich vertriebene Investmentfondsanteile oder Anlagen zur Abbildung eines veröffentlichten Indexes beschränkt ist, wenn der wirtschaftlich Berechtigte zugleich unmittelbar oder mittelbar Veräußerung und Wiederanlage bestimmen kann. Allgemeine Diversifikation oder die formale Bestellung eines Verwalters reichen deshalb nicht als Nachweis aus. Vertragsrechte und tatsächliches Verhalten sind gemeinsam zu prüfen.
Ist die Todesfallleistung wirklich steuerfrei?
Einkommensteuerlich ja: Der Todesfall ist kein Tatbestand des § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG, die aufgelaufenen Erträge bleiben unversteuert. Erbschaftsteuerlich nein: Die Leistung gehört zum steuerpflichtigen Erwerb des Bezugsberechtigten. Die Gestaltung der Bezugsrechte – wer erhält was, aus welcher Police, mit welchen Freibeträgen – ist deshalb ein zentraler Baustein der Nachlassplanung mit dem Versicherungsmantel.
Lohnt sich der Mantel auch für kürzere Anlagehorizonte?
Selten. Die laufenden Kosten der Struktur wirken vom ersten Tag an, der Stundungsvorteil entfaltet sich über Jahre. Unterhalb eines Horizonts von zehn bis fünfzehn Jahren und unterhalb eines Volumens im einstelligen Millionenbereich fällt die Rechnung häufig zugunsten des Direktbestands aus. PPLI ist ein Langfristinstrument für substanzielle Vermögen – das sagen wir auch dann, wenn es dem Absatz nicht dient.
Ein klarer Rahmen, der Disziplin belohnt
§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG ist eine der wenigen Stellen des deutschen Steuerrechts, an denen der Gesetzgeber langfristiges, gebundenes Kapital ausdrücklich besser stellt als kurzfristiges. Die Private Placement Lebensversicherung ist die konsequenteste Art, diesen Rahmen zu nutzen: institutionelle Portfolios, unbegrenzte Stundung, hälftige Besteuerung nach der 12/62-Regel, einkommensteuerfreie Todesfallleistung – gegen den Preis echter Bindung, echten Risikotransfers und strikter Governance. Ob diese Abwägung für Ihre Familie aufgeht, hängt von Horizont, Volumen, Nachfolgezielen und Wohnsitzplanung ab. Einen Überblick über die Steuereffizienz des Versicherungsmantels insgesamt finden Sie auf unserer Themenseite; für die Prüfung des Einzelfalls empfehlen wir das Gespräch im Rahmen unserer privaten Beratung – bevor gezeichnet wird, nicht danach. Denn die beste Struktur ist selten die, die am schnellsten steht, sondern die, deren steuerliche Annahmen ein Betriebsprüfer in fünfzehn Jahren ohne Zögern nachvollziehen kann.
Jede Anfrage an PPLI.com wird persönlich von einem Senior-Spezialisten gelesen — nie in einen Vertriebstrichter geleitet. Sie erhalten eine schriftliche Antwort, in der Regel innerhalb eines Werktags.
Lieber mit einer einzigen Frage beginnen? Schreiben Sie an info@ppli.com